Traditionelles Landwirte Frühstück

Vortrag zum Thema "Neue Wege in der Tierhaltung"

Unter dem Titel „Neue Wege in der Tierhaltung – Ist ein radikaler Umbau erforderlich?“ setzten sich die Landwirte in Herford Bielefeld in einer gemeinsamen Veranstaltung der Volksbank Bad Oeynhausen Herford, der Landwirtschaftskammer und des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford Bielefeld mit kritischen, gesellschaftlichen Aspekten gegenüber der Landwirtschaft auseinander. Der Vortrag von Dr. Steffen Entenmann, Universität Hohenheim, basierte in weiten Teilen auf dem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.


Im Vortrag wurde zunächst die Leistung der Landwirtschaft in Deutschland gewürdigt, in effizienter Weise sichere Lebensmittel zu produzieren. Allerdings wurde über den Fokus auf Produktivitätssteigerung und Wettbewerbsfähigkeit die Diskussion über gesellschaftliche Akzeptanz und deren Wandel aus den Augen verloren. So besteht derzeit nach dem Wortlaut des Gutachtens erheblicher Handlungsbedarf zur Verbesserung des Wohls landwirtschaftlicher Nutztiere (z. B. im Hinblick auf die routinemäßige Durchführung nicht-kurativer Eingriffe wie das Kupieren von Schwänzen und das Kürzen von Schnäbeln, um Nutztiere an die Haltungssysteme anzupassen, die kurze Lebensdauer von Michkühen sowie stark eingeschränkte Möglichkeiten zum Ausleben artspezifischen Verhaltens) und des Umweltschutzes (Nitratproblematik), um eine gesellschaftlich akzeptierte Nutztierhaltung in Deutschland zu erhalten. Dass Anlass zum Handeln besteht, zeigen auch verschiedene entsprechende Initiativen zur Erhöhung des Tierwohls von Landwirtschaft und Lebensmittelhandel.


Im Vortrag wurden Leitlinien bezüglich Tierhaltung und Management vorgestellt, welche die gesellschaftliche Akzeptanz der Nutztierhaltung erhöhen können. Dabei wurden auch mögliche Zielkonflikte zwischen gesellschaftlicher Akzeptanz, Tierwohl und Umweltzielen aufgezeigt. Die größten Auswirkungen seien in der Schweinehaltung zu erwarten. Bei Umsetzung der empfohlenen höheren Standards  seinen Kosten von etwa 3 bis 5 Milliarden € je Jahr in Deutschland zu erwarten, dies bedeutet etwa bis zu 6 % Preissteigerungen für tierische Produkte. Der Änderungsbedarf in der landwirtschaftlichen Produktion wird zu einem großen Teil über den erforderlichen Aufwand determiniert, um die Tierhaltungssysteme an die Bedürfnisse der Tiere anzupassen. Hier bestehen unterschiedliche Erfahrungen und Lösungsmöglichkeiten in den verschiedenen Betrieben. Diese Anpassungen können auf keinen Fall von der Landwirtschaft alleine geleistet werden. Auch die Gesellschaft muss dazulernen, etwa bei ihrem Konsumverhalten. Eine verbesserte Kommunikation zwischen der Landwirtschaft und den Konsumenten/Konsumentinnen bzw. Bürgern/Bürgerinnen ist hierbei zentral.


In der anschließenden Diskussion wurden im Zuge des europäischen  und weltweiten Handels Zweifel geäußert, dass eine Insellösung in Deutschland mit sehr hohen Standards und Kostensteigerungen bei den erzeugten tierischen Produkten von bis zu 40 % dem Wettbewerb standhalten könnte und es nicht einfach zu einer Verdrängung der deutschen Produktion kommen werde. Dirk Niederstucke, Vorstandsvorsitzender der Westfleisch, führte das Beispiel Schweden an, wo durch hohe Tierschutz- und Umweltstandards inzwischen der Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch auf 60 % gesunken sei. Die Tierhaltung sei deutlich reduziert worden. Der Vorstandsvorsitzende Andreas Kämmerling brachte es auf den Punkt: Er wünschte den Landwirten Mut und Entschlossenheit, neue Wege zu gehen und neue Dinge aufzugreifen, um der Spirale sinkender Erzeugerpreise  langfristig zu entkommen. Im gesellschaftlichen Wandel sei auch in anderen Branchen niemals Stillstand zu verzeichnen, dieser Wandel solle jedoch nicht als Bedrohung sondern als Chance begriffen werden.