Zukunft ist nicht die Verlängerung der Vergangenheit

Volksbank schafft Plattform für Austausch über Folgen des demografischen Wandels

Bad Oeynhausen. Die Zahl der Neugeborenen in Deutschland ist im Laufe der vergangenen 50 Jahre um knapp die Hälfte zurückgegangen. Zeitgleich steigt die Zahl der Älteren, die sich oft bis ins hohe Alter einer äußerst guten Gesundheit erfreuen, weiter an. Dr. Winfried Kösters, Demografietrainer der Bertelsmann-Stiftung, präsentierte jetzt vor über 100 Gästen im GOP-Varieté-Theater in Bad Oeynhausen beeindruckende und teils alarmierende Zahlen. Im Zuge dessen erläuterte der Experte auch, welchen Einfluss der demografische Wandel auf die Region und das Gesundheitswesen der Zukunft hat.

Zu dem Vortrag unter dem Motto „Zukunft ist nicht die Verlängerung der Vergangenheit“ hatte das „FreiberuflerCenter“ der Volksbank Bad Oeynhausen-Herford eingeladen. Gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Gesundheitswesen lauschten Ärzte und Apotheker aus der Region, die den Wandel im Gesundheitswesen schon heute am eigenen Leibe zu spüren bekommen, gespannt den Ausführungen des Referenten. Zuvor machte bereits Andreas Kämmerling, Vorstandssprecher der Volksbank, in seinen Begrüßungsworten deutlich, dass sich auch sein Haus bereits auf die veränderten Gegebenheiten einstellen müsse. Es sei abzusehen, dass es mittelfristig schwerer werde, ausreichend qualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen.

Dass bereits im Jahr 2009 erstmals mehr Menschen über 65 als unter 20 Jahren in Deutschland lebten, machte auch die zunehmende Problematik der künftigen Versorgung der Älteren bereits zu Anfang deutlich. Winfried Kösters erklärte, im Jahr 2014 seien in Deutschland rund 330 Milliarden Euro für die Gesundheit aufgewendet worden, allein 192 Milliarden Euro nur für altersbedingte Erkrankungen – Tendenz steigend. Die Leitfragen für die Zukunft lauten nach Ansicht des Referenten: „Wie wollen wir 2030 vor dem Hintergrund einer völlig anderen Bevölkerungsstruktur leben, wohnen und arbeiten? Wie stellen wir uns das Miteinander der Generationen und Kulturen vor?“.

Die Kernbotschaften lauten demnach: „Wir brauchen jedes Kind. Wir brauchen ein neues Bild vom Alter, von den Alten und vom Altern. Und: Wir brauchen die Potenziale der zugewanderten Menschen und der künftig Zuwandernden.“ Es gelte dabei, die Chancen zu kommunizieren, nicht die Defizite. Der Trend „weniger, bunter, älter“ sei irreversibel. Mittelfristig könne eine höhere Zuwanderung oder eine höhere Geburtenquote diese Entwicklung nur abmildern. Die Aufgabe laute daher, die Situation anzunehmen und aktiv zu gestalten.

Die Währung der Zukunft am Arbeitsmarkt bei einer sinkenden Zahl Erwerbstätiger seien die Fachkräfte. Hier werden demnach auch die älteren, erfahrenen Mitarbeiter eine immer wichtigere Rolle spielen. Die Rendite eines langen Lebens sei durch Investitionen in Gesundheit, die Familie oder familienähnliche Solidarnetzwerke sowie in barrierefreies, altersgerechtes und mietfreies Wohnen zu erreichen. Kösters‘ Vision für das Jahr 2030: „Kommunen sind Kompetenzorte für Gesundheit. Stationäre Einrichtungen arbeiten kooperativ mit dezentralen Ambulanzen. Alle Akteure sind vernetzt und die Themen Gesundheit und Prävention sind selbstverständlich in Bildung, Freizeit und Beruf“.

Hiermit legte der Referent den Grundstein für den anschließenden regen Austausch unter den Gästen, der zahlreiche Handlungsfelder aufzeigte und als Initialzündung für weitere Veranstaltungen dieser Art dienen sollte – getreu dem mahnenden Ausspruch des Referenten Dr. Winfried Kösters: „Pflanzen wir jetzt den Baum, den wir vor zehn Jahren versäumt haben zu pflanzen.“

Demografietrainer Dr. Winfried Kösters (Mitte) referierte jetzt auf Einladung der Volksbank Bad Oeynhausen-Herford im GOP zu den Auswirkungen des demografischen Wandels. Unser Bild zeigt außerdem (von links) Vorstandssprecher Andreas Kämmerling sowie Carolin Brinkmann, Katharina Schrammen und Bereichsleiter Manfred Volkmann vom „FreiberuflerCenter“ der Bank.