Im Familienunternehmen ticken die Uhren anders

Bielefelder Professorin referiert auf Einladung der Volksbank im „Henkelmann“

Herford. Was zeichnet Firmen wie Henkel, Dr. Oetker oder Miele aus? Sie alle sind familiengeführte Unternehmen mit Milliardenumsätzen. Und sie reihen sich in eine Reihe vieler großer Unternehmen ein, die trotz oder gerade wegen ihrer speziellen Organisationsstruktur erfolgreich wirtschaften. Zu einem Vortrag über die Besonderheiten von Familienunternehmen begrüßte die Volksbank Bad Oeynhausen-Herford jetzt interessierte Firmenkunden – darunter zahlreiche Familienunternehmer aus der Region - im Herforder „Henkelmann“. Referentin des Abends war Professor Dr. Christina Hoon, die an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bielefeld den Stiftungslehrstuhl „Führung von Familienunternehmen“ leitet und sich somit bestens in diesem Metier auskennt.

Dabei wartete die Wissenschaftlerin mit erstaunlichen Fakten über Familienunternehmen in der ganzen Welt auf. So existiert das älteste Unternehmen dieser Art im fernen Japan: ein 1.200 Jahre altes Hotel, das bereits in der 46. Generation fortgeführt wird. Die meisten Unternehmen, die sich bereits seit über 200 Jahren in Familienbesitz befinden, gibt es übrigens in Italien. Das größte Familienunternehmen der Welt ist die bekannte Supermarktkette Walmart.

Ein Familienunternehmen lasse sich im Übrigen nicht per se durch Umsatz, Beschäftigtenzahl oder Bilanzsumme von anderen Unternehmen abgrenzen, erklärte Hoon. Vielmehr seien drei Faktoren für die Definition eines Familienunternehmens bestimmend: Die Mehrheit der Entscheidungsrechte liegen bei der Familie, mindestens ein Vertreter der Familie ist an der Geschäftsführung beteiligt und mindestens ein Generationsübergang wurde bereits innerhalb der Firma vollzogen.

„In Familienunternehmen ticken die Uhren anders“, so Christina Hoon. Deren besondere Stärke fußt nach Ansicht der Referentin vor allem auf hohen Eigenkapitalquoten, organischem Wachstum, langfristiger Mitarbeiterbindung, regionaler Verbundenheit und nachhaltigen Unternehmensstrategien. Aber natürlich bilden Entscheidungsprozesse in der Familie auch Risiken. Oft gebe es gewachsene Entscheidungsstrukturen ohne Steuerungs- und Kontrollmechanismen. Konflikte über die Rolle und Stellung einzelner Familienmitglieder sorgten oft für Probleme.

Hier empfiehlt Hoon ein sogenanntes „Family-Business-Governance-System“, zum Beispiel in Form eines Beirates, der mit externen Fachleuten aber auch Repräsentanten der Familie besetzt werden kann. Für den Erfolg entscheidend seien die Wahl der richtigen Struktur und Zusammensetzung der Kontrollgremien sowie die Festlegung der nötigen fachlichen und persönlichen Kompetenzen.

„Hier gibt es aber kein Patentrezept.“ Wichtig sei es, alle Gesellschafter mit an Bord zu nehmen, erklärte Christina Hoon abschließend, ehe die kurzweilige Veranstaltung bei einem Imbiss und guten Gesprächen ihren Ausklang fand.


Der Vorstandssprecher Andreas Kämmerling (links) und der Direktor Firmenkundenbetreuung Jörg Kemminer von der Volksbank Bad Oeynhausen-Herford begrüßten die Professorin Dr. Christina Hoon von der Universität Bielefeld als Referentin im „Henkelmann“.